Eine Polizei, zwei Sprachen: So funktioniert der Alltag im zweisprachigen Korps
(Kanton Bern BE). Der Kanton Bern ist zweisprachig.
Französisch und Deutsch bereichern den Alltag – auch bei der Kantonspolizei Bern. Die Serie „eine Polizei, zwei Sprachen“ widmet sich dieser Besonderheit. Anhand von vier Beispielen zeigen wir auf, wie die Kantonspolizei Bern diese Besonderheit lebt und wo die Chancen und Herausforderungen liegen. Der erste Teil behandelt die Organisation unseres Polizeikorps in zwei Sprachen.
„Die Sprache ist das Licht des Geistes“, sagte einst der Philosoph John Stuart Mill. Im Kanton Bern gibt es zwei Lichter der Verwaltung – oder eben der Amtssprachen: Französisch und Deutsch. Während der grössere Teil des Kantons deutschsprachig ist, wird im gesamten Berner Jura und in grossen Teilen der Regionen Biel/Bienne und Seeland Französisch im Alltag gesprochen. Im Jahr 2023 gaben rund 10 % der Kantonsbevölkerung an, Französisch als Hauptsprache zu nutzen. Und die Bevölkerungsperspektiven sehen ein Wachstum voraus.
„Die Zweisprachigkeit ist bei uns keine Wahl – sie ist glücklicherweise eine Realität“, erklärt Christian Brenzikofer, Kommandant der Kantonspolizei Bern, selbst zweisprachig unterwegs. Fabian Sauvain, Chef Regionalpolizei Seeland – Jura bernois, ergänzt: „Sie bringt trotz gewissem organisatorischem Mehraufwand eindeutig eine Bereicherung im Alltag und ist eine zentrale Stärke des Kantons Bern.“
Verschiedene Regionen, verschiedene Sprachen – verschiedene Kulturen
Innerhalb der Kapo werden Polizeiberichte oder Einvernahmen je nach (Verwaltungs-)Region in Französisch oder Deutsch verfasst. In den Verwaltungskreisen Biel/Bienne und Seeland werden je nach Bedürfnis die Berichte in beiden Sprachen geschrieben. Grundsätzlich ist die Rapportierung aber im ganzen Kanton auf Deutsch und Französisch möglich.
„Jede Region hat ihre ‚Hauptsprache‘, wobei die Region Seeland – Jura bernois – und besonders Biel – zweisprachig ist. Wir fördern den Austausch zwischen unseren Regionen und damit auch zwischen den Sprachen. Ich bin überzeugt, dass dies eine Bereicherung und eine Chance für unsere Mitarbeitenden, ja sogar für das gesamte Polizeikorps, darstellt“, erklärt der Kommandant. Fabian Sauvain fährt fort: „Sprache ist weit mehr als Grammatik und Rechtschreibung. Sie vermittelt Kultur, prägt unser Denken und beinhaltet somit viele Nuancen. In diesem Sinne kann jede und jeder von der anderen (sprachlichen) Perspektive profitieren und sich im gemeinsamen Kontakt und Austausch bereichern.“
Überregionale Abteilungen – lückenlose Zweisprachigkeit
Abteilungen mit überregionalen Aufgaben, also beispielsweise das Kommando, die Kriminalabteilung oder die Abteilung Verkehr, Umwelt und Prävention, haben ihren Sitz hauptsächlich in der Stadt Bern. Überregional erfolgt nahezu die gesamte interne und externe schriftliche Kommunikation in beiden Sprachen.
Dies erfordert einen Übersetzungsaufwand, der von unserem Übersetzungsteam geleistet wird. „Unser Sprachdienst spielt eine zentrale Rolle in unserer Organisation. Sämtliche schriftliche Kommunikation muss in beiden Sprachen erfolgen – das ist entscheidend für die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt. Auch wenn und gerade weil wir zweisprachig sind: Wir sind eine Polizei mit denselben Werten“, betont Christian Brenzikofer und ergänzt: „Diese Aufgabe wird beispielsweise auch keine künstliche Intelligenz übernehmen können. Bei der Übersetzung sind polizeispezifische Nuancen wichtig, die meiner Meinung nach eine KI nicht umsetzen kann.“
Zweisprachigkeit fördern – Stages zwischen den Regionen
Um die Zweisprachigkeit zu fördern und auch das gegenseitige Verständnis beziehungsweise die Offenheit zu stärken, stehen den Mitarbeitenden innerhalb der Kapo Austauschprogramme – sogenannte Stages – zur Verfügung. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter hat die Möglichkeit, mehrere Monate eine Stage in einer Abteilung oder an einem Stationierungsort in einer anderen Sprachregion zu absolvieren.
„In unserer Region sind wir immer offen, Stagiaires zu empfangen, welche die andere Amtssprache im Alltag erleben wollen“, erzählt Fabian Sauvain. „Biel/Bienne ist die grösste zweisprachige Stadt der Schweiz – das bietet eine ideale Umgebung zum Eintauchen in die gelebte Zweisprachigkeit und dabei die jeweilige Sprache noch zu verbessern.“ Er fügt mit einem Zwinkern an: „Eine grössere Herausforderung für die Deutschsprechenden besteht dann im Berner Jura, dort erwarten wir schon solide Grundkenntnisse im Französisch.“
Solche Stages werden aber nicht nur in Biel oder im Berner Jura, sondern auch in anderen Abteilungen und Regionen gewünscht und gefördert.
Besseres Verständnis – bessere Zusammenarbeit
Neben den Stages können Mitarbeitende ihre Sprachkenntnisse auch über ein Tandemprogramm vertiefen. Dabei treffen sich deutsch- und französischsprechende Kolleginnen und Kollegen während der Arbeitszeit, um sich auszutauschen und so das eigene Sprachniveau zu verbessern. Was – wie bei den Stages – zunächst nach reinem Sprachtraining klingt, ist im Polizeialltag weit mehr: Es schafft Vertrauen, Sicherheit und ein gemeinsames Verständnis.
„Wir arbeiten jeden Tag mit Kolleginnen und Kollegen der anderen Sprachregion zusammen. Besonders bei Einsätzen ist es entscheidend, dass wir uns in Notfallsituationen verstehen und vom Gleichen sprechen. Aber auch das zwischenmenschliche Miteinander muss dann funktionieren. Das gilt genauso für langwierige Ermittlungen“, erklärt Christian Brenzikofer. „Wir sehen die Zweisprachigkeit nicht als Graben – sondern als Brücke, die uns verbindet. Das gilt im Kanton Bern, aber als Kantonspolizei Bern auch für die ganze übrige Schweiz.“
Wie die Zweisprachigkeit konkret bei Ermittlungen einen Einfluss haben kann, zeigen wir im zweiten Teil der Serie anhand von zwei Mitarbeitenden der Fahndung.
Quelle: Kantonspolizei Bern
Bildquelle: Kantonspolizei Bern
Quelle Infobox: Polizei.news-Redaktion
