Gefängnisse der Schweiz: 92 Einrichtungen und fast 7’000 Inhaftierte

Hinter Mauern, Gittern und Sicherheitsschleusen befindet sich ein kaum sichtbarer Teil der Schweizer Justiz: In 92 Justizvollzugseinrichtungen werden Untersuchungshäftlinge, rechtskräftig Verurteilte, Personen im Massnahmenvollzug und Menschen in ausländerrechtlicher Administrativhaft untergebracht.

Die neuesten schweizweit vergleichbaren Jahreszahlen zeigen eine deutliche Entwicklung: 2025 waren die Schweizer Justizvollzugseinrichtungen durchschnittlich mit 6’983 Personen belegt. Bei 7’407 verfügbaren Plätzen erreichte die durchschnittliche Belegungsrate 94 Prozent – und damit den oberen Bereich dessen, was im Justizvollzug praktisch als tragbar gilt.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 92 Justizvollzugseinrichtungen gibt es aktuell in der Schweiz.
  • 7’407 Plätze standen 2025 durchschnittlich zur Verfügung.
  • 6’983 Personen waren durchschnittlich in den Einrichtungen untergebracht.
  • 94 Prozent Auslastung wurden im Jahresmittel 2025 erreicht.
  • 2’119 Personen befanden sich 2025 im Durchschnitt in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft.
  • 223 Personen befanden sich durchschnittlich in ausländerrechtlicher Administrativhaft.
  • 496 Plätze standen 2025 für den Frauenvollzug zur Verfügung.

92 Gefängnisse und Vollzugseinrichtungen in der Schweiz

Wer von «den Schweizer Gefängnissen» spricht, meint in Wirklichkeit ein sehr vielfältiges System.

Nach aktuellem Stand führt das Schweizerische Kompetenzzentrum für den Justizvollzug insgesamt 92 Justizvollzugseinrichtungen auf.

Darunter befinden sich grosse Justizvollzugsanstalten mit mehreren hundert Plätzen, kleine Regional- und Bezirksgefängnisse, Untersuchungsgefängnisse, Einrichtungen des Massnahmenvollzugs sowie spezialisierte Institutionen für Frauen oder die ausländerrechtliche Administrativhaft.

Die Einrichtungen unterscheiden sich entsprechend stark nach Aufgabe, Sicherheitsstufe, Grösse und Insassenstruktur.

Fast 7’000 Menschen hinter Gittern

Die Belegung der Schweizer Justizvollzugseinrichtungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

2022 waren durchschnittlich 6’227 Personen in den Einrichtungen untergebracht.

2025 waren es bereits 6’983 Personen.

Das entspricht innerhalb von drei Jahren einer Zunahme um rund 12 Prozent.

Das Platzangebot wuchs im gleichen Zeitraum wesentlich langsamer: von 7’172 auf 7’407 verfügbare Plätze – ein Plus von lediglich rund 3 Prozent.

🔒 Der Belegungsdruck steigt

2022: 6’227 Inhaftierte – Belegungsrate 87 %
2025: 6’983 Inhaftierte – Belegungsrate 94 %
Entwicklung: Die Belegung nahm innerhalb von drei Jahren um rund 12 % zu, die Kapazität dagegen lediglich um rund 3 %.

Warum 94 Prozent bereits sehr viel sind

Auf den ersten Blick könnten bei einer Auslastung von 94 Prozent noch Reserven vorhanden sein. Im Gefängnisbetrieb ist die Situation jedoch komplizierter.

Nicht jeder freie Platz kann automatisch mit jeder neu eintretenden Person belegt werden.

Je nach Einrichtung müssen beispielsweise unterschiedliche Haft- und Vollzugsformen, Sicherheitsanforderungen oder Personengruppen voneinander getrennt werden.

Hinzu kommen betriebliche Gründe und zeitweise nicht nutzbare Plätze.

Nach Angaben des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug liegt die praktische Belegungsgrenze deshalb je nach Einrichtung und Vollzugsart bereits bei ungefähr 85 bis 95 Prozent.

Eine rechnerische Auslastung von 100 Prozent würde bedeuten, dass neu eingewiesene Personen praktisch nicht mehr aufgenommen werden könnten.



Westschweiz besonders stark belastet

Die Situation unterscheidet sich regional erheblich.

Die Schweiz ist im Justizvollzug in drei regionale Strafvollzugskonkordate gegliedert.

Das lateinische Konkordat war zwischen 2022 und 2025 dauerhaft besonders stark ausgelastet und überschritt im Jahresmittel die Marke von 100 Prozent.

Die durchschnittliche Belegungsrate bewegte sich dort zwischen 100 und 103 Prozent.

Auch im Nordwest- und Innerschweizer Strafvollzugskonkordat stieg die Auslastung deutlich – von 84 Prozent im Jahr 2022 auf 94 Prozent im Jahr 2025.

Das Ostschweizer Strafvollzugskonkordat bewegte sich dagegen mit durchschnittlich 74 bis 84 Prozent auf einem tieferen Niveau.

⚠️ Gefängnisplätze sind nicht beliebig austauschbar

Ein freier Platz in einer bestimmten Einrichtung bedeutet nicht automatisch, dass dort jede inhaftierte Person untergebracht werden kann. Haftart, Geschlecht, Sicherheitsanforderungen, medizinische Bedürfnisse, Vollzugsstufe und gesetzlich vorgeschriebene Trennungen beeinflussen die tatsächliche Verfügbarkeit.

Untersuchungshaft nimmt zu

Ein grosser Teil der Gefängnispopulation besteht nicht aus Personen, die bereits eine rechtskräftige Freiheitsstrafe verbüssen.

2025 befanden sich durchschnittlich 2’119 Personen in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft.

2022 waren es noch 1’842 Personen gewesen.

Der Anteil dieser Haftformen an der gesamten Belegung stieg damit leicht von rund 29 auf 30 Prozent.

Untersuchungshaft kann angeordnet werden, bevor ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Voraussetzung sind die gesetzlichen Haftgründe und ein entsprechender Entscheid der zuständigen Strafbehörden beziehungsweise Gerichte.

Freiheitsstrafen bleiben grösste Gruppe

Personen im regulären Strafvollzug bilden weiterhin die grösste Gruppe.

Ihr Anteil an der Gesamtbelegung ging jedoch zurück.

2022 entfielen rund 42 Prozent der Belegung auf Freiheitsstrafen, 2025 waren es rund 38 Prozent.

Daneben gibt es den Massnahmenvollzug.

Dabei können Gerichte beispielsweise stationäre therapeutische Massnahmen anordnen. Ein Teil dieser Personen befindet sich nicht in klassischen Gefängnissen, sondern in psychiatrischen Kliniken, forensischen Einrichtungen oder spezialisierten Wohn- und Pflegeheimen.

Administrativhaft steigt um 35 Prozent

Besonders deutlich entwickelte sich die ausländerrechtliche Administrativhaft.

2022 waren durchschnittlich 165 Personen in dieser Haftform untergebracht.

2025 waren es 223.

Das entspricht innerhalb von drei Jahren einer Zunahme von rund 35 Prozent.

Administrativhaft ist keine strafrechtliche Sanktion. Sie dient unter bestimmten gesetzlichen Voraussetzungen der Sicherstellung ausländerrechtlicher Verfahren beziehungsweise des Wegweisungsvollzugs.

⚖️ Nicht jede Haft bedeutet dasselbe

Untersuchungshaft
Haft während eines laufenden Strafverfahrens unter den gesetzlichen Voraussetzungen.
Sicherheitshaft
Freiheitsentzug in einer späteren Phase des Strafverfahrens bei Vorliegen entsprechender Haftgründe.
Strafvollzug
Vollzug einer rechtskräftig ausgesprochenen Freiheitsstrafe.
Massnahmenvollzug
Gerichtlich angeordnete Massnahmen, beispielsweise stationäre therapeutische Behandlungen.
Administrativhaft
Freiheitsentzug nach Ausländerrecht; keine strafrechtliche Sanktion.

Frauen bilden eine kleine Minderheit im Justizvollzug

Der Frauenvollzug stellt besondere Anforderungen an das Schweizer Gefängnissystem.

2025 standen schweizweit 496 Plätze für Frauen zur Verfügung.

2022 waren es noch 435 gewesen.

Die durchschnittliche Belegungsrate im Frauenvollzug lag 2025 bei 86 Prozent.

Drei spezialisierte Einrichtungen bilden einen wichtigen Teil der Infrastruktur: die JVA Hindelbank im Kanton Bern, die Prison de la Tuilière im Kanton Waadt und das Gefängnis Dielsdorf im Kanton Zürich.

Allein die JVA Hindelbank verfügt über 107 Plätze. Für das Gefängnis Dielsdorf werden 57 Plätze ausgewiesen.

Wo befinden sich die bekannten Schweizer Gefängnisse?

Die Gefängnislandschaft erstreckt sich über die gesamte Schweiz. Zu den bekannten und bedeutenden Einrichtungen gehören unter anderem:

🗺️ Grosse und bekannte Vollzugseinrichtungen der Schweiz

JVA Pöschwies
📍 Regensdorf ZH
Roosstrasse 49, 8105 Regensdorf


JVA Lenzburg
📍 Lenzburg AG
Ziegeleiweg 13, 5600 Lenzburg


JVA Thorberg
📍 Krauchthal BE
Thorbergstrasse 48, 3326 Krauchthal


JVA Hindelbank
📍 Hindelbank BE
Von Erlachweg 2, 3324 Hindelbank


JVA Witzwil
📍 Ins BE
3236 Ins


JVA Cazis Tignez
📍 Cazis GR
Realta, 7408 Cazis


JVA Realta
📍 Cazis GR
Realta, 7408 Cazis


Strafanstalt Saxerriet
📍 Salez SG
Saxerrietstrasse 1, 9465 Salez


JVA Solothurn
📍 Deitingen SO
Schachenstrasse, 4543 Deitingen


JVA Bostadel
📍 Menzingen ZG
Bostadel, 6313 Menzingen


JVA Grosshof
📍 Kriens LU
Eichwilstrasse 4, 6010 Kriens


Gefängnis Bässlergut
📍 Basel BS
Freiburgerstrasse 48, 4057 Basel

Weitere Einrichtungen von der Westschweiz bis ins Tessin

Auch in der Westschweiz befinden sich zahlreiche bedeutende Einrichtungen.

Dazu gehören unter anderem die Etablissements de la plaine de l’Orbe und die Prison de la Croisée in Orbe VD sowie die Prison de la Tuilière in Lonay VD.

In Genf gehören die Prison de Champ-Dollon in Thônex sowie die Einrichtungen La Brenaz, Curabilis, Favra und Frambois zur Vollzugslandschaft.

Im Kanton Neuenburg befinden sich unter anderem die Einrichtung Bellevue in Gorgier sowie La Promenade in La Chaux-de-Fonds.

Im Wallis bestehen unter anderem Einrichtungen in Sion und Granges.

Auch das Tessin verfügt über eigene Einrichtungen des Justizvollzugs.

Auch kleine Gefängnisse gehören zum System

Neben den bekannten grossen Anstalten existieren zahlreiche kleinere Gefängnisse.

Im Kanton St.Gallen gehören beispielsweise das Regionalgefängnis Altstätten, das Gefängnis St.Gallen, das Ausschaffungsgefängnis Bazenheid, das Gefängnis Flums, das Untersuchungsgefängnis Klosterhof und das Gefängnis Gossau zum System.

Im Kanton Solothurn gibt es neben der JVA Solothurn auch Untersuchungsgefängnisse in Olten und Solothurn.

In der Zentralschweiz befinden sich unter anderem das Gefängnis Sarnen OW, das Untersuchungs- und Strafgefängnis Nidwalden/Uri in Stans NW und das Kantonsgefängnis im Sicherheitsstützpunkt Biberbrugg SZ.

Zürich verfügt über ein breites Netz

Der bevölkerungsreichste Kanton Zürich verfügt über verschiedene Einrichtungen mit unterschiedlichen Aufgaben.

Dazu gehören neben der JVA Pöschwies unter anderem das Gefängnis Affoltern am Albis, das Vollzugszentrum Bachtel in Hinwil, das Gefängnis Pfäffikon, das Massnahmenzentrum Uitikon sowie Einrichtungen für Untersuchungshaft und den Frauenvollzug.

Am Flughafen Zürich befindet sich zudem das Zentrum für ausländerrechtliche Administrativhaft.

🏢 Vom Kleingefängnis bis zur Grossanstalt

Die 92 Schweizer Justizvollzugseinrichtungen unterscheiden sich enorm. Das Spektrum reicht von kleinen Einrichtungen mit wenigen Haftplätzen bis zu grossen Anstalten mit Kapazitäten für mehrere hundert Personen. Gleichzeitig schreitet die Zentralisierung und Spezialisierung des Schweizer Justizvollzugs voran.

Drei Konkordate koordinieren den Strafvollzug

Obwohl das Strafrecht auf Bundesebene geregelt ist, sind Organisation und Betrieb des Justizvollzugs weitgehend Sache der Kantone.

Für die überkantonale Zusammenarbeit bestehen drei Strafvollzugskonkordate.

Sie koordinieren unter anderem Fragen der Vollzugsplanung und der Zusammenarbeit zwischen den Kantonen.

Das ist wichtig, weil eine verurteilte Person ihre Strafe nicht zwingend in ihrem Wohnkanton oder im Kanton des Strafverfahrens verbüsst.

Spezialisierte Einrichtungen werden kantonsübergreifend genutzt.

Hohe Belegung wird zur Herausforderung

Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass die Platzfrage zu einem wichtigen Thema des Schweizer Justizvollzugs geworden ist.

Eine durchschnittliche Auslastung von 94 Prozent bedeutet nicht lediglich vollere Zellen.

Eine hohe Belegung kann Auswirkungen auf Personal, Sicherheit, Unterbringung, medizinische Versorgung, Beschäftigungsangebote und die Möglichkeiten zur Trennung verschiedener Gefangenengruppen haben.

Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter beschäftigte sich in ihrem Tätigkeitsbericht 2025 ausdrücklich mit den Auswirkungen der Überbelegung auf die Haftbedingungen.

Schweiz plant Gefängnisbedarf langfristig

Der steigende Belegungsdruck beschäftigt deshalb auch die langfristige Planung.

2026 wurde erstmals ein gemeinsamer Grundlagenbericht für die schweizerische Anstaltsplanung veröffentlicht.

Damit sollen die Entwicklung des Platzbedarfs und die Vollzugslandschaft langfristig betrachtet werden.

Der Vergleich der Planung mit den tatsächlichen Zahlen zeigt bereits eine bemerkenswerte Abweichung: Für 2025 lag die tatsächliche Stichtagsbelegung schweizweit bei 6’855 inhaftierten Personen und damit 236 Personen beziehungsweise 3,6 Prozent über dem für dieses Jahr prognostizierten Wert.

Das Schweizer Gefängnissystem dürfte deshalb auch in den kommenden Jahren vor der Aufgabe stehen, ausreichende Kapazitäten bereitzustellen und gleichzeitig die unterschiedlichen Anforderungen an Sicherheit, Betreuung, Therapie und Wiedereingliederung zu erfüllen.

🔐 Schweiz hinter Gittern – die Zahl

94 %

So hoch war die durchschnittliche Belegungsrate der Schweizer Justizvollzugseinrichtungen im Jahr 2025. 2022 waren es noch 87 Prozent. Während die durchschnittliche Zahl der Inhaftierten innert drei Jahren um rund 12 Prozent zunahm, wuchs die verfügbare Kapazität lediglich um rund 3 Prozent.

Ein System, das meistens im Verborgenen arbeitet

Gefängnisse gehören zu den sicherheitsrelevanten Einrichtungen des Staates, über deren Alltag die Öffentlichkeit vergleichsweise wenig erfährt.

Dabei reicht der Schweizer Justizvollzug weit über verschlossene Zellentüren hinaus. Sicherheit und Aufsicht gehören ebenso dazu wie Arbeit, Ausbildung, Gesundheitsversorgung, Therapie, soziale Betreuung und die Vorbereitung auf eine spätere Wiedereingliederung.

Die aktuellen Zahlen zeigen gleichzeitig, dass der Platz in den Schweizer Einrichtungen knapper geworden ist.

Mit 92 Einrichtungen, fast 7’000 durchschnittlich inhaftierten Personen und einer landesweiten Belegungsrate von 94 Prozent steht der Schweizer Justizvollzug vor einer zunehmend anspruchsvollen Aufgabe.

 

Quelle: Schweizerisches Kompetenzzentrum für den Justizvollzug (SKJV) / Bundesamt für Justiz (BJ) / Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF)
Titelbild: Symbolbild © Michael Derrer Fuchs – shutterstock.com






    So wird Ihr Zuhause noch sicherer

    Ob in Bern, Zürich, Luzern, Basel, St.Gallen oder anderswo in der ganzen Schweiz: Fragen Sie jetzt Ihre kostenlose Sicherheitsberatung an!

    Loading...


    Ihre Daten werden sorgsam behandelt und für die Kontaktaufnahme mit Ihnen zwecks Vereinbarung Ihrer kostenlosen Sicherheitsberatung verwendet.

    Publireportagen

    Empfehlungen