Schweizer Armee: Schwere Verbände trainieren Übergänge über Gewässer und Brücken
(Schweiz). Gewässer, zerstörte Verbindungen und enge Verkehrswege können eine militärische Bewegung stoppen.
Damit schwere Fahrzeuge trotzdem weiterkommen, müssen Genie, Führung, Logistik und Schutz präzise zusammenspielen. Bei «MOBILO 26» wird diese gemeinsame Leistung unter realitätsnahen Bedingungen trainiert.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Übung: «MOBILO 26»
- Ziel: Militärische Bewegungsfreiheit trotz Gewässern, zerstörten Verbindungen und Engpässen
- Genie: Das Pontonierbataillon 26 erstellt Schwimmbrücken und betreibt Übergangsstellen
- Schwere Fahrzeuge: Die Artillerieabteilung 49 überquert die Schwimmbrücke mit Panzerhaubitzen
- Zusammenspiel: Genie, Führung, Logistik, Sanität und Schutz müssen präzise koordiniert werden
- Sicherung: Auch Schutz vor Bedrohungen aus der Luft und gegnerischer Aufklärung gehört zum System
Ein Übergang ist Teamarbeit
Bei der ersten Sequenz wurde das enge Zusammenspiel der beteiligten Formationen sichtbar: Angehörige des Pontonierbataillons 26 setzten die Elemente der Schwimmbrücke zusammen und koordinierten die Arbeiten am Ufer.
Anschliessend wiesen sie die Besatzungen der Artillerieabteilung 49 bei den ersten Überquerungen ein. Diese führten ihre Panzerhaubitzen kontrolliert über die schmale Fahrbahn der Schwimmbrücke – für viele Beteiligte war dies eine Premiere.
Was für Aussenstehende wie die Fahrt über eine Brücke aussieht, beginnt lange vor dem ersten Fahrzeug. Der Übergang muss geplant, vorbereitet, erstellt oder ertüchtigt, gesichert und in die Bewegungsführung des Verbandes eingeordnet werden.
Zufahrten und Wegfahrten müssen für die vorgesehenen Fahrzeuge geeignet sein, der Verkehr wird koordiniert, und die Führung muss wissen, wann welches Element den Übergang nutzen kann.
Hindernisse bestimmen militärische Bewegungen
Mechanisierte Verbände verbinden Schutz, Beweglichkeit und Wirkung. Ihr Gewicht und ihre Grösse stellen jedoch besondere Anforderungen an Wege, Brücken und Engnisse.
Ein Gewässer, eine beschädigte bestehende Brücke oder eine blockierte Verkehrsachse kann eine geplante Bewegung verzögern oder verhindern. Wer sich nur auf vorhandene zivile Infrastruktur verlässt, macht seine Handlungsfähigkeit von wenigen Übergängen abhängig. Zudem kann die Gegenseite die Handlungen des Verbandes leichter antizipieren.
Bewegungsfreiheit bedeutet deshalb nicht, überall beliebig fahren zu können. Sie entsteht durch Planung und Vorbereitung: Hindernisse werden früh erkannt, geeignete Möglichkeiten beurteilt und die benötigten Mittel bereitgestellt.
Unter Zeitdruck müssen die beteiligten Stellen ihre Beiträge so koordinieren, dass der gesamte Verband weitergeführt, versorgt und geschützt werden kann.
Das Pontonierbataillon 26 schafft eine Verbindung
Bei «MOBILO 26» schafft das Pontonierbataillon 26 die Voraussetzungen für den Übergang über Gewässer.
Pontoniere können mit einer Schwimmbrücke eine Verbindung herstellen, wo eine Brücke fehlt oder nicht genutzt werden kann. Baupioniere unterstützen bei den Zu- und Wegfahrten. Damit wird aus einem Hindernis ein nutzbarer Übergang.
Am Ende sieht man ein Fahrzeug, das scheinbar einfach über eine Brücke fährt. Dahinter stehen jedoch zahlreiche präzise aufeinander abgestimmte Arbeiten zweier Truppenkörper. Erst wenn alles im richtigen Moment zusammenspielt, wird ein rascher und fliessender Übergang möglich.
Chef Genie
Heeresstab
Diese Aufgabe verlangt eingespielte Teams. Die Elemente der Brücke werden vorbereitet und verbunden, die Übergangsstelle wird betrieben und überwacht, und die Bewegung der Fahrzeuge wird geregelt.
Gleichzeitig bleiben Sanität, Logistik und Führung verfügbar. Die Leistung lässt sich deshalb nicht an einem einzelnen Fahrzeug oder einer einzelnen Truppengattung festmachen; sichtbar wird ein ganzes System.
Warum die Armee weiterhin schwere Mittel braucht
Der Ukraine-Krieg hat die Sicherheitslage in Europa grundlegend verändert. Er zeigt, dass neben hybriden Mitteln und Drohnen auch konventionelle militärische Gewalt Realität bleibt. Eine glaubwürdige Verteidigung braucht deshalb Kräfte, die sich unter Bedrohung bewegen, Personal schützen und sich gegen einen bewaffneten Gegner durchsetzen können.
Panzer verbinden Schutz, Mobilität und Feuerkraft. Sie sind weder unverwundbar noch allein entscheidend.
Ihre Stärke entsteht im Verbund mit Aufklärung, Infanterie, Artillerie, Genie, bodengestützter Luftverteidigung, Drohnen, Führung und Logistik. Der Grundlagenbericht «Zukunft der Bodentruppen» beschreibt diese gegenseitigen Abhängigkeiten als Teil des Gesamtsystems Armee.
Moderne Technologien verändern den Einsatz schwerer Mittel, ersetzen deren grundlegende Funktionen aber nicht.
Schwere Kräfte haben auch eine abhaltende Wirkung: Wer glaubwürdig zeigen kann, dass er Angriffe stoppen, wichtige Räume halten und verlorenes Gelände zurückgewinnen könnte, erhöht für einen möglichen Gegner das Risiko eines Angriffs.
Das entspricht dem Grundsatz: verteidigen können, um nicht zu müssen.
Sicherung ermöglicht Bewegungsfreiheit
Ein Übergang bündelt Menschen, Fahrzeuge und Material auf engem Raum. Er muss deshalb nicht nur technisch funktionieren, sondern auch geschützt werden.
Sicherung am Boden, Schutz vor Bedrohungen aus der Luft und Massnahmen gegen gegnerische Aufklärung gehören zusammen. Bei «MOBILO 26» tragen unter anderem Mittel der leichten Fliegerabwehr dazu bei, die Voraussetzungen für die Bewegung zu schaffen.
Ebenso wichtig ist die mobile Führung. Sie führt Informationen über den Zustand des Übergangs, die Bewegung der Einheiten und mögliche Veränderungen zusammen.
Erst ein verlässliches Lagebild erlaubt es den Verantwortlichen, Prioritäten zu setzen und den Ablauf anzupassen. Der folgende Beitrag der Serie zeigt, wie das ADS 15 Informationen aus der Luft zur Lagebeurteilung beitragen kann.
Quelle: Schweizer Armee / Kommunikation Heer
Bildquelle: © VBS/DDPS, Joël Praudisch
