Kanton Bern: Wiederbelebung, Defibrillator und Tourniquet – so trainiert die Kantonspolizei
Die Polizistinnen und Polizisten der Kantonspolizei Bern sind ausgebildet, um rund um die Uhr in den unterschiedlichsten Notfallsituationen rasch und kompetent Hilfe zu leisten. Manchmal steht das Leben von Menschen auf dem Spiel. Deshalb wird die Erste Hilfe regelmässig trainiert.
Wenn es einen Beruf gibt, der kaum Routine kennt, dann ist es jener der Polizistin und des Polizisten.
Neben ihren zahlreichen Aufgaben werden die Mitarbeitenden der Kantonspolizei Bern regelmässig mit medizinischen Notfällen konfrontiert. Die richtigen Handgriffe zu kennen und sicher anwenden zu können, ist daher von entscheidender Bedeutung und kann sogar Leben retten.
„Man kann mit den unterschiedlichsten Situationen konfrontiert werden. Der medizinische Notfall kann einen älteren Menschen oder ein Kind betreffen. Er kann sich auf einem Bauernhof oder auf der Autobahn ereignen. Alles ist möglich. Entscheidend ist, die richtigen Erste-Hilfe-Massnahmen zu kennen und rasch anwenden zu können“, erklärt Urs Mühlemann, Ausbildungsleiter für Erste Hilfe (Basic Life Support, BLS, und Taktische Einsatzmedizin, TEM) bei der Kantonspolizei Bern. „Wir sind keine Gesundheitsfachpersonen, müssen in diesem Bereich aber dennoch über fundierte Kenntnisse verfügen“ , ergänzt er. „Je nach Einsatzort kann es vorkommen, dass wir noch vor dem Rettungsdienst am Ereignisort eintreffen“.
Training als Schlüssel
Die richtigen Massnahmen werden bereits während der Grundausbildung an der Polizeischule trainiert. Dazu gehören Wiederbelebungsmassnahmen (CPR) sowie der Umgang mit einem automatisierten externen Defibrillator (AED). Die Behandlung starker Blutungen sowie weiterer traumatisch bedingter Verletzungen gehört ebenfalls zu den wichtigen Ausbildungsinhalten. Nach der Ausbildung werden diese Kenntnisse jährlich aufgefrischt. „Wenn man Abläufe immer wieder trainiert, entwickelt man Automatismen und kann den Stress bei Einsätzen reduzieren“, erklärt Cyril Ferreira, BLS-/TEM-Instruktor bei der Kantonspolizei Bern. „Man muss sich auch bewusst Zeit nehmen. Es lohnt sich, zehn Sekunden innezuhalten und die nächsten zehn Minuten des Einsatzes vorauszuplanen. Das hilft, Stress zu vermeiden und die richtigen Entscheidungen zu treffen“.
Tourniquet zum Stoppen extremer Blutungen
Die Kantonspolizei Bern verfügt über verschiedene Hilfsmittel für Erste-Hilfe-Massnahmen. Dazu gehört auch das Tourniquet, das seit 2014 bei der Kantonspolizei Bern eingesetzt wird. Mit diesem Hilfsmittel können starke Blutungen an Armen und Beinen schnell und wirksam gestoppt werden. Cyril Ferreira weist darauf hin, dass es „empfohlen wird, das Tourniquet direkt am Körper zu tragen, damit es bei einer lebensbedrohlichen Blutung sofort eingesetzt werden kann“. Bei weniger starken Blutungen oder an Körperstellen, an denen das Tourniquet nicht angewendet werden kann, z.B. am Leisten-, Achsel- oder Halsbereich, kommen Druckverbände zum Einsatz.
Management nach dem Einsatz
Angesichts der Notfälle und teilweise belastenden Situationen, mit denen die Mitarbeitenden konfrontiert werden, darf auch die Zeit nach dem Einsatz nicht vernachlässigt werden. Für die Verarbeitung solcher Ereignisse spielen Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sowie der Zusammenhalt und die Unterstützung innerhalb des Teams eine wichtige Rolle. Vorgesetzte, Kolleginnen und Kollegen sowie der Zusammenhalt und die Unterstützung innerhalb des Teams eine wichtige Rolle. Darüber hinaus verfügt die Kantonspolizei Bern über einen Psychologischen Dienst.
Darüber hinaus verfügt die Kantonspolizei Bern über einen Psychologischen Dienst. Dieses Team besteht aus Psychologinnen und Psychologen sowie speziell ausgebildeten Peers und unterstützt betroffene Mitarbeitende aktiv vor Ort oder nach belastenden Einsätzen. Der Psychologische Dienst nimmt nach belastenden Ereignissen proaktiv Kontakt mit den beteiligten Einsatzkräften auf, erkundigt sich nach ihrem Befinden und ihren Bedürfnissen und organisiert bei Bedarf eine psychologische Nachbesprechung des Einsatzes.
„Jeder kann helfen“
Abschliessend sei daran erinnert, dass man nicht Teil eines Rettungsdienstes sein muss, um in einer Notfallsituation helfen zu können. Wie Urs Mühlemann betont, „kann jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten Erste Hilfe leisten. Dazu gehört bereits das rasche Alarmieren und Einweisen der Rettungskräfte oder das Bringen einer bewusstlosen Person in die stabile Seitenlage“.
Quelle: Kantonspolizei Bern
Bildquelle: Kantonspolizei Bern
