Würenlos AG: Benzinrückstand im Wasser – Ursache liegt wohl bei Autobahnraststätte
Der Benzinrückstand ETBE ist in Grundwasser der Gemeinden Würenlos, Wettingen, Neuenhof und Baden seit der ersten Messung von Anfang August unverändert nachweisbar.
Die Konzentration liegt deutlich unter dem Trinkwasser-Höchstwert, sodass keine Einschränkungen bei der Verwendung als Trinkwasser nötig sind.
Die wahrscheinliche Ursache der Grundwasserverunreinigung ist ein Schadenereignis vom 3. September 2025 auf dem Areal der Autobahnraststätte Würenlos. Dabei ist Benzin ins Erdreich versickert.
Nach je einer Kundenreklamation über einen eigenartigen Geruch des Trinkwassers Ende Juni 2026 haben die Wasserversorgungen von Wettingen und Baden umgehend Proben zur Überprüfung der Trinkwasserqualität genommen. Die Untersuchung vom 25. Juni 2026 im Labor des Amts für Verbraucherschutz (AVS) bestätigte den Fremdgeruch. Bei nachfolgenden erweiterten Beprobungen zeigte sich, dass der Fremdgeruch bereits an der Fassung beziehungsweise im Grundwasser vorhanden ist. Die betroffenen Wasserversorgungen sowie die Departemente Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) sowie Gesundheit und Soziales (DGS) haben daraufhin weitere aufeinander abgestimmte Untersuchungen veranlasst. Dabei hat das AVS den Benzinbestandteil ETBE als Ursache des Fremdgeruchs nachgewiesen. Die ETBE-Konzentration im Trinkwasser lag bei dieser ersten Identifikation und quantitativen Bestimmung in Proben vom 31. Juli 2026 deutlich unter dem für Trinkwasser geltenden Höchstwert. Weitere Benzinbestandteile waren nicht nachweisbar. Nachfolgende Messungen des AVS zeigten unveränderte Konzentrationen im Trinkwasser.
Wie wichtig gezielte Untersuchungen bei schwer erkennbaren Schadstoffen sind, zeigt auch die kantonale Kampagne für kostenlose PFAS-Tests in Milch und Tränkewasser.
Ein für hydrogeologische Untersuchungen beigezogenes Geologiebüro hat vom 17. bis 21. August 2026 zusätzlich das Grundwassergebiet beprobt. Die Untersuchungen dienten dazu, einen besseren Überblick zu gewinnen, in welchen Abschnitten, Schichten und Konzentrationen das Grundwasser mit ETBE verunreinigt ist.
Die hydrogeologischen Abklärungen weisen auf eine Versickerung von Benzin im Bereich der Autobahnraststätte Würenlos als wahrscheinliche Ursache der Grundwasserverunreinigung hin. Dieser Hergang der Verunreinigung ist auch deshalb plausibel, weil dort am 3. September 2025 Benzin, das an einer losen Verschraubung der Tankentnahmeleitung ausgetreten war, den Einsatz von Feuerwehr und Ölwehr erforderlich gemacht hat. Damals haben die Einsatzkräfte sofort Massnahmen zur Schadensbegrenzung ergriffen. Wie viel Benzin trotz dieser Sofortmassnahmen versickert ist, ist Gegenstand laufender Abklärungen des BVU und kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht abgeschätzt werden.
Dass bereits beschädigte Leitungen Gewässerschutzzonen gefährden können, verdeutlicht ein Abwasseraustritt nach einem Leitungsschaden in Winterthur-Sennhof.
Dass das ETBE erst beinahe ein Jahr später in Grundwasserpumpwerken der betroffenen Gemeinden auftreten kann, ist erklärbar und könnte mit dem Hitzesommer in Zusammenhang stehen: Die Fliesswege und Geschwindigkeiten im Grundwasserleiter sind nicht nur vom Kies und Schotter des Flusstals geprägt, sondern auch von den seitlich zuströmenden Wasserpartien und der gegenseitigen dynamischen Beeinflussung zwischen dem oberirdisch fliessenden Wasser der Limmat und dem unterirdisch fliessenden Grundwasser. Welche Grundwasserpartien es genau sind, die bei Pumpbetrieb der Wasserversorgungen als Trinkwasser angesaugt werden, ist deshalb nicht präzise vorhersehbar.
Prognose zum Verunreinigungsverlauf
Eine Zunahme von ETBE bis in den Bereich des Trinkwasser-Höchstwerts oder gar eine Überschreitung des Höchstwerts in den kommenden Wochen und Monaten erachten die beteiligten Experten des Geologiebüros sowie des Kantons übereinstimmend als unwahrscheinlich. Angesichts der genannten Unsicherheiten bei den Abschätzungen der weiteren Entwicklung der Verunreinigung sind engmaschige Beprobungen des Grund- und Trinkwassers jedoch weiterhin wichtig und vorgesehen.
Überwachungsplan
Die Wasserversorgungen der Gemeinden Würenlos, Wettingen, Neuenhof und Baden haben gemeinsam mit dem Kanton einen Überwachungsplan erstellt: Die Wasserversorgungen legen die Messstellen, Probenahmezeitpunkte und das Untersuchungsprogramm in Rücksprache mit den Fachstellen des DGS und des BVU fest. Auch die Auswertungen erfolgen in Zusammenarbeit. Der Überwachungsplan beinhaltet auch Messungen an ausgewählten weiteren Stellen, die den Trinkwasserfassungen vorgelagert sind. Die Beprobungen erhöhen die Sicherheit, dass ein allfälliger Konzentrationsanstieg von ETBE rasch erfasst und bei der Massnahmenplanung berücksichtigt würde.
Das BVU setzt die Abklärungen im Zusammenhang mit dem Schadenereignis fort. Das seit Anfang Juli 2026 involvierte AVS trägt im Rahmen seiner Zuständigkeit für das Trinkwasser zu den Abklärungen bei. Die Erkenntnisse sind sowohl für den Umweltschutz als auch für die nachhaltige Absicherung der Trinkwasserversorgung wichtig.
Empfehlungen für Konsumentinnen und Konsumenten
Das Leitungswasser ist nicht gesundheitsschädlich und kann weiterhin ohne Einschränkung als Trinkwasser verwendet werden. ETBE kann allerdings bereits in der vorliegenden sehr tiefen Konzentration als schwacher lösungsmittelartiger Fremdgeruch bemerkbar sein. ETBE verdampft beim Aufkochen von Leitungswasser. Es ist danach nicht mehr im Wasser enthalten und somit auch nicht mehr als Fremdgeruch vorhanden. Bei Bedarf können Konsumentinnen und Konsumenten von dieser Möglichkeit Gebrauch machen. Das AVS betont aber, dass diese Trinkwassernachbehandlung für den Gesundheitsschutz nicht nötig ist.
Zum Entfernen der sehr geringen ETBE-Konzentrationen sind marktübliche Filter/Geräte für den Einsatz im Haushalt je nach Produkt entweder ineffizient oder sogar mit Nachteilen bezüglich anderweitiger Aspekte der Trinkwasserqualität behaftet (z. B. erhöhte Keimzahl oder stark veränderte Mineralisation).
Quelle: Kanton Aargau
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