Schweizer Armee: F-35A-Beschaffung stärkt Schweizer Industrie
armasuisse und Lockheed Martin konkretisieren mit einem Nachtrag zur bestehenden Offset-Vereinbarung weitere Vorhaben zur F-35A-Beschaffung. Diese Projekte stärken gezielt sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien, industrielle Fähigkeiten und die Resilienz der Schweiz. Bei erfolgreicher Umsetzung werden die Vorgaben deutlich übertroffen: Insgesamt werden voraussichtlich Offset-Geschäfte im Umfang von rund 73 Prozent des Vertragswerts erreicht – statt der verlangten 60 Prozent. Auch die regionalen Zielwerte werden klar übertroffen: In der Romandie liegt der erwartete Anteil rund 40 Prozent über der Vorgabe; in der italienischsprachigen Schweiz wird der Zielwert voraussichtlich sogar um rund 140 Prozent übererfüllt.
Offset-Geschäfte, auch Kompensationsgeschäfte genannt, sind Aufträge, Projekte oder Kooperationen, die ein ausländischer Lieferant im Rahmen einer Beschaffung mit Unternehmen, Hochschulen oder Forschungspartnern in der Schweiz umsetzt. Im Offset-Register sind im Zusammenhang mit der Beschaffung des neuen Kampfflugzeugs F-35A per 30. Juni 2026 bereits Geschäfte im Wert von 1,03 Milliarden US-Dollar aufgeführt, die Lockheed Martin angerechnet wurden. Dies entspricht rund einem Drittel der gesamten Offset-Verpflichtung. Nun kommt ein Paket weiterer Vorhaben hinzu, mit dem die Umsetzung der Offset-Verpflichtung planbarer, wirkungsvoller und stärker auf sicherheitsrelevante Fähigkeiten in der Schweiz ausgerichtet wird.
Vorhaben mit direktem Nutzen für Einsatzbereitschaft und Souveränität
Zu den neuen Vorhaben gehören beispielsweise ein F135-Trainingssystem für das Triebwerk mit Know-how-Transfer nach dem Prinzip „Train the Trainer“, der Aufbau von Fähigkeiten für Produktion und Reparatur von F-35-Canopy-Komponenten sowie Cyber-Training zum Schutz F-35-bezogener IT-Netzwerke. Solche Projekte schaffen nicht nur industrielle Aufträge. Sie tragen dazu bei, dass die Schweiz kritische Fähigkeiten, technisches Wissen und einsatzrelevante Kompetenzen im eigenen Land aufbauen und langfristig erhalten kann.
Weitere Vorhaben betreffen die Entwicklung und Qualifikation von Trainingsmunition, fortgeschrittene Fertigung und Zertifizierung sicherheitskritischer Komponenten, den Ausbau von Kompetenzen in Mikro- und Nanotechnologien, ein in der Schweiz verfügbares Quantum-System-2-Ökosystem sowie Projekte im Bereich nachhaltiger synthetischer Flugtreibstoffe. Damit werden Zukunftsfelder gestärkt, die für Verteidigung, Versorgungssicherheit, Cyberresilienz, geschützte Kommunikation, Sensorik und robuste Lieferketten von wachsender Bedeutung sind.
Schweizer Industrie und Schlüsseltechnologien stärken
Mit dem Nachtrag kann armasuisse die Beteiligung der Schweizer Industrie gezielter auf sicherheitsrelevante Schlüsseltechnologien, industrielle Fähigkeiten und eine breitere regionale Verankerung ausrichten. Die vereinbarten Vorhaben betreffen unter anderem industrielle Leistungen, Lieferkettenbeiträge, Forschung und Entwicklung sowie technologischen Fähigkeitsaufbau. Im Zentrum steht der konkrete Nutzen für die sicherheitsrelevante Technologie- und Industriebasis der Schweiz.
Gerade in einem sicherheitspolitisch anspruchsvollen Umfeld sind solche Fähigkeiten entscheidend: Wer kritische Komponenten warten, prüfen, zertifizieren, digital absichern oder technologisch weiterentwickeln kann, erhöht die eigene Handlungsfreiheit. Offset wird damit nicht als formale Kompensation verstanden, sondern als Instrument, um industrielle Substanz, Know-how und Innovationskraft in Bereichen zu stärken, die für die Sicherheit der Schweiz relevant sind.
Regionale Zielwerte deutlich übertroffen
Mit den nun vereinbarten Vorhaben gelingt ein wichtiger Schritt zu einer breiteren regionalen Verankerung. Bei erfolgreicher Umsetzung würden die regionalen Zielwerte deutlich übertroffen: In der Romandie steigt der Anteil voraussichtlich auf rund 43 Prozent statt der vorgesehenen 30 Prozent – eine Übererfüllung von rund 40 Prozent. In der italienischsprachigen Schweiz steigt der Anteil auf rund 12 Prozent statt 5 Prozent – das entspricht einer Übererfüllung von rund 140 Prozent. Damit werden insbesondere die lateinischsprachigen Landesteile stärker eingebunden.
Auch die inhaltlichen Zielwerte werden voraussichtlich übererfüllt: Der direkte Offset-Anteil wird nach heutigem Stand rund 28 Prozent erreichen, der indirekte Anteil rund 45 Prozent. Zusammen ergibt dies ein erwartetes Offset-Volumen von rund 73 Prozent des Vertragswerts – deutlich mehr als die vertraglich geforderten 60 Prozent.
Die gesamte Offset-Verpflichtung von Lockheed Martin beträgt rund 3 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht 60 Prozent des Vertragswerts. Gemäss Bundesbeschluss sollen 20 Prozent direkt mit der F-35A-Beschaffung zusammenhängen. Weitere 40 Prozent können indirekt erfolgen, das heisst in sicherheits- und rüstungsrelevanten Bereichen der Schweizer Industrie. Zudem ist vorgesehen, dass 65 Prozent der Offset-Geschäfte in der Deutschschweiz, 30 Prozent in der Romandie und 5 Prozent in der italienischsprachigen Schweiz anfallen.
armasuisse überwacht Umsetzung konsequent
Lockheed Martin bleibt für die Erfüllung der Offset-Verpflichtung verantwortlich. Die im Nachtrag festgehaltenen Vorhaben werden erst angerechnet, wenn sie umgesetzt, nachgewiesen und durch armasuisse geprüft sind. Dazu gehören je nach Projekt Verträge, Bestellungen, Rechnungen, Zahlungsbelege, Leistungsnachweise oder weitere projektspezifische Unterlagen.
Kann ein Vorhaben nicht oder nicht vollständig umgesetzt werden, bleibt die Offset-Verpflichtung bestehen. In diesem Fall muss Lockheed Martin im Einvernehmen mit armasuisse ein gleichwertiges Ersatzgeschäft vorlegen. Kommerzielle Details einzelner Vorhaben können aus Gründen des Geschäfts- und Fabrikationsgeheimnisses nicht offengelegt werden. Über die weitere Umsetzung wird armasuisse zu gegebener Zeit informieren.
Quelle: armasuisse
Bildquelle: Symbolbild © Lockheed Martin Aeronautics
