Schweiz: Schweizer Zoll wird digital – neues System soll Wirtschaft entlasten
Das Transformationsprogramm DaziT des Bundesamts für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) wird per 31. Dezember 2026 planmässig abgeschlossen.
Mit DaziT werden die Prozesse der Zollabwicklung, Abgabenerhebung und Grenzsicherheit vereinfacht, optimiert und durchgehend digitalisiert.
An einer Medienkonferenz informierte die Leitung des BAZG unter Beisein von Bundesrätin Karin Keller-Sutter und Economiesuisse-Präsident Christoph Mäder über den Abschluss des Programms und die nächsten Schwerpunkte der digitalen Transformation.
Mit DaziT gelingt es dem Bund, seine Einnahmen effizient und langfristig zu erheben. Zudem stärkt das Programm die Sicherheit an der Schweizer Grenze und verbessert die Rahmenbedingungen für den Wirtschaftsstandort Schweiz. Gleichzeitig soll das zuständige BAZG mehr Flexibilität für verstärkte Kontrollen und zur besseren Bewältigung ausserordentlicher Situationen erhalten. Entsprechend geht die digitale Transformation im BAZG über das Programm DaziT hinaus und umfasst auch die Anpassung von Organisation, Prozessen, Berufsbildern, Arbeitsmitteln, Infrastrukturen und Rechtsgrundlagen.
Die IT-Landschaft des BAZG wurde mit DaziT grundlegend erneuert. Entstanden sind über 40 Fachanwendungen bestehend aus rund 250 Microservices. Für Wirtschaft und Bevölkerung stehen neue digitale Dienstleistungen über das ePortal oder als App zur Verfügung. Beispiele sind „Passar“, die neue Plattform für die Abwicklung des grenzüberschreitenden Handelswarenverkehrs, die App „QuickZoll“ für die Verzollung privater Einkäufe, die E-Vignette sowie digitale Lösungen für die Erhebung und Rückerstattung von Abgaben. Bei der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) wurde eine vollständige Systemerneuerung einschliesslich Marktliberalisierung umgesetzt. Gleichzeitig wurden die Grenzkontrollsysteme modernisiert und an Schengen-Weiterentwicklungen angepasst sowie verschiedene digitale Lösungen für die Durchführung mobiler Kontrollen bereitgestellt.
DaziT wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) umgesetzt. Die Programmplanung wurde gemeinsam mit den betroffenen Nutzergruppen, insbesondere mit Vertretern der Wirtschaft und Partnerbehörden, laufend abgestimmt. Neue Lösungen wurden jeweils als Basisversion möglichst rasch in der Praxis eingesetzt, um Erfahrungen für eine gezielte Weiterentwicklung zu sammeln. Diese kontinuierliche Weiterentwicklung der Systeme und der Parallelbetrieb von neuen und alten Lösungen erwiesen sich als anspruchsvoll und erfordern weiterhin laufende Anpassungen der Arbeitsabläufe sowie permanente Weiterbildung aller Beteiligten.
Effizienzgewinne und Einsparungen ohne Kostenüberschreitung
Mit DaziT sollen drei übergeordnete Ziele erreicht werden: Die Regulierungskosten für die Wirtschaft sollen jährlich um 125 Millionen Franken sinken. Zudem sollen BAZG-interne Effizienzgewinne im Umfang von 300 Vollzeitstellen erzielt und die IT-Betriebskosten stabilisiert werden. Nach aktueller Prognose können diese Ziele schrittweise bis 2030 erreicht werden. Ein Teil des Nutzens ist bereits realisiert, beispielsweise bei den digitalen Basisinfrastrukturen, den Grenzkontrollsystemen oder der LSVA.
Die volle Ausschöpfung des Potenzials setzt jedoch voraus, dass die neuen digitalen Lösungen konsequent genutzt, bisherige Systeme ausser Betrieb genommen, das totalrevidierte Zollrecht in Kraft gesetzt sowie internationale und infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. Vom bewilligten Sonderkredit von 393 Millionen Franken waren Ende Juni 2026 rund 346,5 Millionen Franken (88 Prozent) verbraucht. Die verbleibenden Mittel werden bis Ende 2026 beziehungsweise als zweckgebundene Reserven 2027 für die Weiter- und Fertigentwicklung einzelner Vorhaben verwendet. Der Verpflichtungskredit wird damit eingehalten.
Ausblick: Weiterentwicklung, Verankerung und Skalierung
Das am 1. Januar 2018 lancierte Programm DaziT wird per 31. Dezember 2026 planmässig abgeschlossen. Die modernisierten technischen Grundlagen und die bereits eingeführten digitalen Lösungen schaffen die Voraussetzungen, um die digitale Transformation weiterzuführen. Dazu gehören die Weiterentwicklung und Fertigstellung ausgewählter Systeme, insbesondere im Handelswarenverkehr und in der Abgabenerhebung sowie in BAZG-internen Anwendungen.
Gleichzeitig sollen die digitalen Lösungen verstärkt genutzt und die dadurch erst möglichen Prozessoptimierungen umgesetzt werden. Investitionen in die Infrastruktur an den Grenzübergängen sollen den Automatisierungsgrad im Handelswarenverkehr weiter erhöhen. Nur so können die geschaffenen Grundlagen ihr volles Potenzial entfalten.
Quelle: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit
Bildquelle: Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit
