Schweizer Armee: 215 Armeeangehörige meistern den Viertagemarsch in Nijmegen
Vier Tage. 160 Kilometer. Kein Sold, kein Befehl, und trotzdem waren wieder alle da.
Was am Viertagemarsch im niederländischen Nijmegen wirklich zählte, lässt sich nicht in Zahlen fassen, auch wenn es davon genug gibt.
Seit 1909 treffen sich in Nijmegen Menschen aus aller Welt zum „Vierdaagse“, der grössten Marschveranstaltung der Welt. 2026 fand die 108. Ausgabe statt: 45’000 Teilnehmende aus 77 Nationen bewältigten vom 21. bis am 24. Juli die 160 Kilometer lange Strecke durch die niederländische Provinz Gelderland, verfolgt von über einer Million Zuschauenden entlang der Route.
Mittendrin die Schweizer Armee, zum 66. Mal. Die Delegation umfasste 215 Armeeangehörige, davon 37 des Österreichischen Bundesheeres, organisiert in insgesamt 17 Marschgruppen: 13 der Schweizer Armee, drei des Österreichischen Bundesheeres und eine der Päpstlichen Schweizergarde. Der Einsatz war für alle freiwillig und ausserdienstlich und wurde ausserhalb der eigentlichen Dienstpflicht geleistet.
Schon im Camp Heumensoord, wo rund 7000 Militärangehörige aus über 30 Nationen gemeinsam untergebracht und verpflegt wurden, zeigte sich, was den „Vierdaagse“ ausmacht: Rang und Herkunft treten in den Hintergrund, sobald Verpflegung, Sanität und Logistik über Nationengrenzen hinweg funktionieren müssen. Betreuende begleiteten die Marschgruppen dabei auf Fahrrädern und sorgten unterwegs für Verpflegung und Erste Hilfe.
Divisionär Simon Müller, Chef Kommando Cyber und Mitglied der Armeeführung, besuchte die Delegation vor Ort. Sein Besuch unterstreicht, welchen Stellenwert ausserdienstliches Engagement für die Armeeführung hat: Was auf den ersten Blick wie ein sportlicher Anlass wirkt, ist ein handfester Beitrag zur Verteidigungsbereitschaft, wie sie auch die aktuelle Armeebotschaft fordert. Material und Ausrüstung lassen sich beschaffen, Durchhaltewillen, Teamgeist und die Fähigkeit, unter Belastung füreinander einzustehen, nicht.
Am dritten Marschtag legte die von Oberst Ambros Notz angeführte Delegation auf dem Canadian War Cemetery in Groesbeek, wo über 2600 gefallene Soldaten liegen, in einer stillen Zeremonie Rosen nieder. Es war der Moment, in dem der Marsch zur Erinnerung wurde: Frieden ist kein Zufall, sondern ein Erbe, das täglich neu verteidigt werden muss.
Mit dem Einmarsch in die Via Gladiola endete der „Vierdaagse“ 2026 nach 160 Kilometern. Was bleibt, ist mehr als nur eine Medaille. Es sind Dinge, die keine Armee beschaffen kann: Vertrauen, Durchhaltewillen und die Gewissheit, gemeinsam mehr geschafft zu haben, als jeder Einzelne für sich – ein kleiner, aber wirkungsvoller Baustein für eine glaubwürdige Miliz.
Quelle: Schweizer Armee
Bildquelle: VBS/DDPS, Fachof Phil Anderegg
