Schweizer Armee: SWISSCOY stärkt Sicherheit und Stabilität im Kosovo-Einsatz
Mit dem Einsatz der SWISSCOY trägt die Schweizer Armee zur Sicherheit und Stabilität auf dem Westbalkan bei.
Mit ihren operationellen Leistungen zugunsten der Kosovo Force (KFOR) erbringt sie einen direkten Beitrag zur Gewährleistung eines sicheren und stabilen Umfelds in Kosovo und stärkt im internationalen Einsatz zugleich ihre eigenen Fähigkeiten zugunsten der nationalen Verteidigungsfähigkeit.
Durch den engen Austausch mit lokalen Behörden und der Bevölkerung gewinnen die Liaison and Monitoring Teams (LMT) der SWISSCOY für die KFOR entscheidungsrelevante Erkenntnisse zur Beurteilung der Sicherheitslage.
Der Westbalkan und damit auch Kosovo liegen mit einer Distanz von rund zwei Flugstunden in geografischer Nähe der Schweiz. Die Stabilität in dieser Region ist daher eng mit der europäischen Sicherheitslage verflochten. Trotz erzielter Fortschritte bleibt die Lage fragil, insbesondere im Norden Kosovos, wo wiederkehrende Spannungen zeigen, dass ein stabiles und sicheres Umfeld nicht als selbstverständlich betrachtet werden kann.
Vor diesem Hintergrund kommt der internationalen Präsenz der Kosovo Force (KFOR) eine zentrale Bedeutung bei der Verhinderung von Eskalationen zu, die sich auf die gesamte Region auswirken könnten.
Wirkungsvoller Beitrag zur Auftragserfüllung der KFOR
Die Fähigkeiten, welche die Schweizer Armee mit der SWISSCOY in die KFOR einbringt, sind gezielt auf die aktuellen operationellen Anforderungen dieser NATO-geführten Mission ausgerichtet. Sie leisten einen direkten Beitrag zur Handlungsfähigkeit der KFOR und unterstützen deren Aufträge, ein sicheres und stabiles Umfeld zu gewährleisten sowie die Bewegungsfreiheit sicherzustellen.
Grundlage dafür, dass lokale Spannungen begrenzt und eine frühzeitige Ausweitung auf weitere Landesteile verhindert werden kann, stellt die kontinuierliche Lageverfolgung und -beurteilung dar. Die KFOR verfügt dazu über verschiedene Instrumente und Strukturen, um sicherheitsrelevante Entwicklungen systematisch zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten. Dazu gehören unter anderem die sogenannten Liaison and Monitoring Teams (LMT), die in unterschiedlichen Regionen des Einsatzgebiets stationiert sind und den kontinuierlichen Austausch mit lokalen Behörden, Sicherheitsorganen und den Bevölkerungsgruppen aller Ethnien pflegen. An insgesamt sechs Standorten werden LMT durch Angehörige der Schweizer Armee gestellt.
Auch innerhalb der regionalen Kommandos sowie im Hauptquartier der KFOR sind Schweizer Offiziere in zentrale Analyse- und Führungsprozesse eingebunden: Sie konsolidieren die von den LMT und weiteren Sensoren gewonnenen Informationen, beurteilen deren Relevanz und Aussagekraft und leiten daraus fundierte Lagebilder sowie Entscheidungsgrundlagen für die Führung der KFOR sowie die Ausrichtung ihrer Einsatzelemente ab.
Dazu gehören auch die gezielte Planung und Umsetzung von Kommunikationsaktivitäten im Informationsraum über verschiedene Ebenen hinweg, die Überprüfung ihrer Wirksamkeit sowie Massnahmen zur Bekämpfung von Desinformation – ein Aufgabenbereich, der ebenfalls durch einen Schweizer Offizier und sein multinationales Team verantwortet wird.
Die im Einsatz gewonnenen Erfahrungen in der internationalen Zusammenarbeit sowie der gezielte Aufbau von Fachwissen in der strukturierten Informationsgewinnung, -verarbeitung und Koordination innerhalb standartisierter Stabsprozesse stellen einen konkreten Return on Investment dar: Im Einsatz lernen insbesondere Schweizer Offiziere, belastbare Informationsnetzwerke aufzubauen, sicherheitsrelevante Erkenntnisse strukturiert zu erfassen und weiterzuleiten sowie diese in Analyse-, Führungs- und Entscheidungsprozesse zu integrieren.
Diese Kompetenzen sind auch für die Schweiz von Bedeutung, da sie in einem Krisenfall die strukturierte Lageführung und eine bestmögliche gegenseitige Ergänzung der Sicherheitsakteure ermöglichen würden.
Fähigkeitsgewinn und operative Mehrwerte im Einsatz
Neben dem Beitrag zur Sicherheit und Stabilität ist das Fachwissen der Angehörigen der SWISSCOY auch für den zweiten Hauptauftrag der KFOR zentral: die Sicherstellung der Bewegungsfreiheit für alle Personen in Kosovo, aber insbesondere auch für die KFOR und internationale Organisationen selbst. Die Schweizer Armee leistet hierzu unter anderem Beiträge im Bereich von Geniearbeiten. Dazu gehören das Räumen von Strassenblockaden, das Beseitigen von Hindernissen sowie die Instandstellung von Verkehrswegen. Diese Massnahmen sind vor allem in angespannten Lagen von hoher Bedeutung, da sie die Einsatzfähigkeit der KFOR in allen Landesteilen sicherstellen und dazu beitragen, lokale Spannungen nicht weiter eskalieren zu lassen.
Diese Fähigkeiten werden durch weitere spezialisierte Elemente der SWISSCOY ergänzt, welche zugleich einen messbaren Mehrwert für die Schweizer Armee generieren. Ein zentrales Element ist die durch die Schweiz gestellte Transportkompanie, die in die Joint Logistics Support Group (JLSG) der KFOR eingebunden ist und die Versorgung der eingesetzten Kräfte im multinationalen Rahmen sicherstellt. Der Einsatz ermöglicht es jungen Offizieren, bereits früh als Kompaniekommandanten Führungsverantwortung im internationalen Umfeld zu übernehmen. Gleichzeitig eröffnet er qualifizierten Schweizer Offizieren die Möglichkeit, Funktionen als Kommandant oder Stabschef der JLSG wahrzunehmen, wodurch sie vertiefte Einblicke in multinationale Planungs- und Führungsprozesse erhalten.
Durch den Langzeiteinsatz und die dauerhafte Nutzung von Material, Ausrüstung und Systemen gewinnt die Schweizer Armee im Rahmen friedensfördernder Missionen ausserdem wertvolle Erfahrungen zu deren Belastbarkeit, zum Unterhalt und zur Durchhaltefähigkeit. Diese Erkenntnisse fliessen direkt in die Optimierung der Ausbildung, der Einsatzlogistik sowie in die Beschaffungsprozesse der Schweizer Armee ein. Zudem können im Einsatz neue Fähigkeiten unter realen Bedingungen erprobt werden, die in der Schweiz etwa aufgrund gesetzlicher Rahmenbedingungen nicht möglich sind. Dies gilt beispielsweise für die Drohnenabwehr, die zugunsten des Eigenschutzes der KFOR-Truppe eingesetzt wird und es der Armee gleichzeitig ermöglicht, aus dem Praxiseinsatz fundierte Schlussfolgerungen für künftige Einsätze sowie für die nationale Verteidigungsfähigkeit abzuleiten.
Quelle: Schweizer Armee / Text: Daniel Seckler, Kommunikation SWISSINT
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